Warum es aufs Lüften ankommt?

Wir verbringen ca. 90 % unseres Lebens in geschlossenen Räumen. Für das Wohlbefinden des Menschen ist daher ein gesundheitsverträgliches Innenraumklima wichtig. Drinnen ist die Luft bis zu fünfmal mehr belastet als draußen. Lüften ist vor allem aufgrund von drei Faktoren wichtig:
Kohlendioxid (CO2)

Tagsüber atmen wir ca. 16 Liter CO2 pro Stunde aus. Auch beim Kochen, Feuermachen im Kamin oder Abbrennen von Kerzen entsteht CO2. Steigt der CO2-Gehalt in der Raumluft, sinkt unsere Leistungsfähigkeit, wir werden müde und bekommen sogar Kopfschmerzen. Alle Körperzellen benötigen Sauerstoff für die Zellatmung, ein Prozess, bei dem Energie produziert wird. Durch die Atmung transportieren wir frischen Sauerstoff aus der Luft bis hin zu unseren Lungenbläschen, wo der eigentliche Gasaustausch zwischen unserem Körper und der Außenwelt stattfindet.
Luftfeuchtigkeit
Aufgrund von Kochen, Duschen, der anwesenden Personen und Pflanzen sowie gelegentlichem Wäschetrockenen gelangen in einem 4-Personen-Haushalt täglich 10 Liter Wasser in die Raumluft. Die Raumluftfeuchte muss über das Lüften reguliert werden, denn sonst kann Schimmel entstehen und die Baukonstruktion beeinträchtigen. Schimmelsporen schwächen zudem das Immunsystem und können Allergien und Asthma auslösen.
Schadstoffe und Gerüche
Gerüche aus Küchen, Bädern und WCs, sowie Schadstoffe machen regelmäßiges Lüften notwendig. Feinstaub, Schimmelsporen und Bakterien belasten die Raumluft. VOCs und Formaldehyde dünsten aus Baumaterialien (z.B.: Farben, Lacken, Klebstoffen, Dichtmitteln) und Möbeln aus.
Durch den Einsatz emissionsarmer Bauprodukte (z.B. geprüft nach AgBB oder „Blauer Engel“) können Raumluftschadstoffe minimiert werden. Solche geprüften Bauprodukte findet man z. B. unter https://www.baubook.info/de.
Wie viel Lüften ist notwendig?
Bei der Fensterlüftung und ohne den Einsatz von Messgeräten gilt als Faustregel: 3–4-mal tägliches Stoßlüften (Fenster ganz auf) mit einer Lüftungsdauer von
- wenn es kalt ist: 3 bis 5 Minuten.
- wenn es warm ist: 10 bis 20 Minuten.

In Neubauten und nach umfassenden Sanierungen sollte, aufgrund der Baufeuchte und der erhöhten Emissionen aus Baumaterialien, intensiver gelüftet werden.
Wenn man möglichst bedarfsorientiert und optimal Lüften will, kann man mithilfe eines CO2 Sensors und eines Hygrometers lüften:
- < 1.000 ppm CO2 sowie
- eine relative Luftfeuchte von 40-60%
sind optimal. Die Messinstrumente können mittlerweile auch per App den Nutzer ans Lüften erinnern. Für Lüftungsanlagen werden die Luftwechselraten zur Abfuhr von Nutzungsfeuchte und CO2 auf Grundlage der DIN-Norm 1946-6 berechnet. Der übliche Nennluftwechsel zum Feuchteschutz sowie zur Reduzierung von CO2und Schadstoffen liegt bei 0,4 h-1 bis 0,6 h-1 für Wohngebäude. Das heißt alle zwei Stunden sollte die komplette Raumluft einmal ausgetauscht werden.
Quellenangaben:
Literatur und weiterführende Informationen
- H. Köttner: Was ist Wohngesundheit: Warum ist sie so wichtig? (Abruf am 16.02.2026): https://www.sentinel-holding.eu/de/Themenwelten/Was-ist-Wohngesundheit-Warum-ist-sie-so-wichtig
- R. Larson: Physiologie der Atmung (Abruf am 16.02.2026): https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7531425/
- Prof. Worbs, Dr. Vogel: Lüftung Mindestlüftung für den Feuchteschutz (Abruf am 16.02.2026):
https://umgebindehaus.hszg.de/service/sanierungshandbuch/sanierungshandbuch/bauphysik/lueftung - Verbraucherzentrale: Heizen und Lüften (Abruf am 16.02.2026): https://www.verbraucherzentrale.de/energie/heizen-und-lueften-87699
- E. Karl: Schadstofffrei wohnen: Worauf sollte ich achten? (Abruf am 16.02.2026):
https://www.hausbaukurs.de/ratgeber/schadstofffreier-hausbau?utm_source=chatgpt.comVerbraucherzentrale: Richtig Lüften (Abruf am 16.02.2026): https://verbraucherzentrale-energieberatung.de/sanieren-bauen/schimmel-feuchte/lueften/

